Normoxic Trimix OC Kurs

Normoxic Trimix OC Kurs

Hier meine Eindrücke und Erlebnisse wie ich zum OC Normoxic Trimix Diver ausgebildet wurde.
August 2015

Das alles fing so an…
Ich war mit meiner Holden zum Tauchen in Dahab – Ägypten in den Sommerferien 2015. Ich war schon immer von Dahab fasziniert, da es doch über 300m tiefe Steilwände direkt am Ufer bietet. Außerdem gibt es noch zwei Locations in Dahab, die ebenfalls immer in meinen Kopf spinstern. 1. Der Canyon und 2. Das Blue Hole.
Der Canyon ist ein Unterwasser Graben, der zwei Eingänge im 20 Meter Bereich und eigentlich einen Ausgang bei 54 Metern besitzt. Schon immer war es mein Wunsch, den Ausgang bei 54m zu durchtauchen. Das Problem: Ich durfte nie!
Das Blue Hole, noch etwas extremer, bietet einen Durchgang, den sogenannten „Arch“ in einer Tiefe von 58 bis 60 Metern. Dort gelangt man aus dem Blue Hole heraus ins offene Meer. Dieses Loch im Riff ist ca 20 meter dick. D.h. man taucht in einer Tiefe von ca 60m eine Strecke von 20m durch ein gigantisches Loch und gelangt dann an die Außenseite des Riffs. Auch dieser Tauchgang war mir immer verwehrt bzw. mit Pressluft und logischem Menschenverstand nicht machbar und nicht zulässig.
Im Sommer 2016 dann, war ich wieder bei beiden Locations tauchen. In 40m Tiefe hatte ich den Ausgang im Canyon in greifbarer Nähe vor mir; durfte jedoch nicht durchtauchen. Der Guide sagte nach dem TG dazu nur locker: „Wenn du ein Brevet für diese Tiefe hast, ist das kein Problem. Wir haben jemanden, der mit dir diese TGs machen kann.“ Aber leider hilft selbst eine TL und Nitrox 2 Brevetierung nicht, tiefer als 40m zu tauchen. Damit war mir klar: Ich musste hier was unternehmen! „Wenn ich wieder komme, mache ich diese 2 Tauchgänge!“ sagte ich zu den Guides in Dahab … und flog davon.

Herbst 2015

Als ich wieder in Deutschland war, nahm ich sofort Kontakt mit meinem IANTD Ausbilder, bei dem ich auch meinen Trimix Blender Schein gemacht hatte, auf. Ich fragte ihn nach einem Brevet, welches mich dazu zertifiziert in Tiefen um die 60 Meter zu tauchen. Er sagte dazu: „Das ist kein Problem! Mit deinen Voraussetzungen, würde für dich der Normoxic Trimix Diver Schein in Frage kommen. Mit diesem Brevet darf man bis 60 m Tiefe tauchen ohne eine Begrenzung der Dekozeit. Somit war für mich schnell die Entscheidung getroffen, dass ich diesen Kurs absolvieren musste. Nach den ersten Theorieeinheiten im September, ging es dann, noch vor unserem Clubevent in Ägypten, nach Widdauen in Köln zum ersten Sichtungstauchen. Ich sagte zu dieser Veranstaltung immer: „Ich habe nächste Woche „Vorturnen“.“

Winter 2015/2016

Nach dem Vorturnen in Widdauen, wurden mir ein paar Aufgaben gestellt, die ich bis zum nächsten Tauchen erledigen sollte. Somit begab ich mich, mit Doppel 12 und zwei Stages behangen, in den Diezer Baggersee.
Als erstes musste ich mich an die zwei schweren Stages, die rechts und links neben mir hingen, gewöhnen – machen sie doch natürliche Armbewegungen unter Wasser zu einem Riesenproblem. Bei diesen Übungs-Tauchgängen machte ich es mir natürlich so einfach wie möglich. Das heißt ich hatte keinen Hebesack, kein Reel und keine störende Lampe dabei. Ich konnte mich auf meine zwei Stages konzentrieren. Ich habe dann von November bis Dezember viel Stage-Handling geübt. Der Valve-Drill hat auf der 7m Plattform auch gut funktioniert. Eigentlich hat auf 7m alles gut funktioniert. Dachte ich…

Am 10. Januar 2016 war es dann soweit. Messinghausen wurde als Ausbildungsstätte auserwählt. In Messinghausen angekommen, gab es das übliche Briefing zum ersten Tauchgang. Die Aufgaben waren Valve-Drill auf Zieltiefe sowie Stages ab- und wieder anlegen auf Zieltiefe. Am Ende des Tauchgangs sollte der Hebesack mit Reel gesetzt und der Aufstieg am Hebesack eingeleitet werden. Ich fragte dann mal dumm was denn Zieltiefe sei. Daraufhin bekam ich die Antwort: „Ja… halt… Maximaltiefe des Sees! 45 m! Daraufhin wurde mir doch mächtig mulmig, da ich bis dato weder im deutschen See so tief getaucht bin, geschweige denn mir selbst in dieser Tiefe meine eigene Luft/Flaschenventile zugedreht, Stages ab- und angelegt, oder einen Hebesack gesetzt hätte. Eine Kleinigkeit sollte hier noch nebenbei erwähnt werden. Alle Übungen da unten, sollte ich in voller Ausrüstung machen. Also vollgestopfte Beintaschen und meine bis-jetzt-immer-schön-zuhause-gelassene Lampe, die natürlich ebenfalls in den Brust D-Ring neben der Stage eingeclippt wird. Das 2,4 kg schwere Reel von der Größe eines Toasters musste auch noch irgendwohin geclippt werden! Alle Übungen mit Pressluft, was in dieser Tiefe einen schönen Tiefenrausch hervorruft! Also einfach geile Voraussetzungen!
Wer jetzt 2 und 2 zusammenzählen kann, weiß was gleich passiert.

Winter 2015/2016 2. Teil

Na klar. Es ist so ziemlich alles in die Hose gegangen, was hätte gehen können! Zu dumm um Stages einzuclippen. Im Lampenkabel verfangen! Alles nicht schnell genug und und und…
Nachdem die Probleme klar auf der Hand lagen, habe ich dann über mehrere Wochen hinweg alles im Baggersee geübt.
Alle Übungen haben nach und nach immer besser geklappt und wurden vom großen Meister erfolgreich abgenommen. Doch da waren noch zwei Übungen vor denen ich mich gerne gedrückt hätte: Auf 45 Metern Stages ab- und anlegen OHNE Maske. Sowie Hebesack setzen und Aufstieg am Hebesack ebenfalls ohne Maske. Im Januar versuchte ich dann im Baggersee die Maske einmal abzunehmen. Das Fluten der Maske war schon schmerzhaft genug. So schmerzhaft, bei 4 Grad Wassertemperatur, dass ein Abnehmen der Maske und Tauchen über einen längeren Zeitraum nicht möglich war. Als dann im Februar der letzte Prüfungstauchgang in Messinghausen anstand, hat aber alles hervorragend funktioniert. Aus dem Mund gerissene Atemregler und mehrfach zugedrehte Rückenflaschen und Stages konnten mich auch dann nicht mehr aus der Ruhe bringen. Selbst als ich mich auf 45m ohne Maske in einer Caveline verfing, wo ich doch eigentlich nur die vorher abgelegten Stages wieder einsammeln und mich nicht zusätzlich noch in Leinen verfangen sollte, bewahrte ich die nötige Ruhe. Die zwei absolut letzten Prüfungstauchgänge beziehungsweise Abschlusstauchgänge sollte ich dann in Italien an der Haven absolvieren.

Die Amoco Milford Haven – Ostern 2016

Ostern 2016 war es dann soweit. Die Amoco Milford Haven war für die Abschlusstauchgänge auserwählt.
Die „Haven“ war/ist ein Super-Tanker mit einer kompletten Länge von 344m, einer Breite von 51m und einer Höhe von 50m. Sie sank nach einer Explosion 1991 vor der Küste Italiens in der Nähe von Genua.
Angereist am Gründonnerstag haben wir sofort in der Basis „Techdive“ in Arenzano eingecheckt.

Karfreitag: Freitag morgen ging’s dann aufs Zodiak zum ersten TG. Wind und viel Welle machten aber einen TG unmöglich worauf wir dann wieder umkehrten und den Rest des Tages mit Pizza und Blick auf die raue See verbrachten.

Samstag: Spiegelglatte See, rein in die Klamotten, rauf aufs Zodiak. Nach kurzer Fahrt hatten wir die Boje der Haven erreicht. Abstieg an der Shotline. Bei 33m oberstes Deck erreicht.

Von da aus gings dann auf das Hauptdeck des Tankers in 56m Tiefe.
Hier war dann noch ein schneller Valve-Drill angesagt. Danach eine kurze Strecke zur Reling und dann an der Bordwand runter zum Explosionsloch. Leider kann man auf 59m nicht viel vom Inneren des Tankers sehen. Um die gigantischen Heizspiralen, die das Rohöl erhitzen, sehen zu können, hätten wir schon auf 65m absteigen müssen, (was wir natürlich nicht getan haben).
Zurück auf dem Hauptdeck haben wir uns dann den Arbeitsgang angesehen. Nach nur 20 Minuten GZ, sind wir dann zur Brücke aufgestiegen und quer durch die Brücke getaucht.

Der anschließende Aufstieg dauerte 45 Minuten. Gesamtzeit 71 Minuten. Am Nachmittag haben wir dann den versäumten TG vom Freitag nachgeholt.

Im zweiten Prüfungstauchgang war es so unheimlich ruhig um mich herum was Prüfungselemente anging. Also konnte ich mir schon denken, dass gleich in der Deko etwas simuliert werden musste. Und genau das sollte eintreten.

Nach einer GZ von 22 min verließen wir das Hauptdeck der Haven. Der anschließende Aufstieg = „TTS“ (Time to Surface = Aufstieg und gesamte Dekozeit) hätte eigentlich laut Computer insgesamt 40min dauern sollen. Diese Zeit ist aber eine theoretische bzw. absolute Mindestzeit, in der die Zeiten für die Gaswechsel nicht eingerechnet sind (so schnell taucht also keiner auf!) Die TTS verlängert sich somit automatisch beim Aufstieg.

An der Shotline wieder angekommen, legten wir dann bei 31m den ersten kurzen Dekostopp ein. Beim ersten Gaswechsel auf 21m hatte ich bereits eine Tauchzeit vom 30min und eine TTS von 37min. Es wär also ungefähr auf 67min rausgelaufen… Eigentlich…

Nach einer Tauchzeit von 35min auf 12m angekommen (TTS =33min), bereitete ich mich auf den zweiten Gaswechsel (vom 50er Nitrox auf das 75er Nitrox) vor, als doch plötzlich jemand meine 50er Stage zudrehte. Das bedeutete: Zurückwechseln auf Rückengas, da ich das 75er Nitrox in dieser Tiefe nicht atmen konnte! Nach Umstellen des Computers zurück auf Trimix, war dann gerade mal meine Dekozeit um ca. 5min verlängert.

Nach gefühlter Ewigkeit durfte ich endlich auf 9m aufsteigen und auf mein zweites Dekogas wechseln. Dekostopp hier nur 5min auf 9m. Danach endlich Aufstieg zum Dekorigg in 6m Tiefe. Hier musste ich jetzt noch mal 26min rumhängen. Doch hier trifft man sich dann wieder und hat viel Zeit zur Kommunikation.
Da aber alle anderen Taucher mit Rebreathern unterwegs waren, war ich ganz schnell mit meinem Ausbilder alleine am Dekorigg. Da seine Deko aber schnell erledigt war, winkte und grinste er mir zu … und … verschwand. Ich hing dann etwa noch 15 min alleine am Rigg und fror mir den A**** ab. Ab diesem Moment war klar, dass der nächste Ausrüstungsgegenstand „eine Heizung“ war!! Nach 73 min war ich dann endlich wieder an der Oberfläche.

Zurück im Hafen wurde ich dann herzlich von allen zum erfolgreichen Abschluss des Kurses gratuliert.
Der letzte Tauchtag wäre dann der Ostersonntag gewesen. Wind und Welle machten dann aber allen Vorhaben einen Strich durch die Rechnung und wir genossen doch lieber Pizza im Hafen.

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